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Indien: Menschen warten vergeblich auf Hilfe

Ob Medikamente oder Sauerstoff: Viele gehen leer aus

Leere Straßen, geschlossene Läden: Gespenstische Stille herrscht auf den Straßen der Millionenstadt Ranchi. Tausende Familien sind an Corona erkrankt – und bleiben ohne Hilfe. „Die Verzweiflung hat hier jede Familie erfasst“, sagt Gossner-Mitarbeiter Mukut Bodra. Denn wie überall in Indien sind die Kliniken überfüllt, das Personal ist am Limit, es fehlt an Sauerstoff und an Intensivbetten. „Im Bundesstaat Jharkhand ist Ranchi der Hotspot der Infektionen. Doch die Pandemie dringt nun auch in die Dörfer vor.“ Auf dem Friedhof der Gossner Kirche werden täglich bis zu zwölf Menschen beerdigt. „Sonst sind es höchstens zwei in der Woche.“


Wie viele Menschen tatsächlich an Covid-19 erkrankt sind, weiß niemand genau. Aktuelle Daten sind schwer zu finden. Vor allem aber: „Die tatsächlichen Zahlen liegen weit über dem, was offiziell bekannt gegeben wird“, ist sich Mukut Bodra sicher. „Es gibt nicht genügend Tests, so dass vor allem in den Dörfern niemand weiß, ob er an Covid leidet oder ob es nur ein Husten ist.“ Auch Experten gehen in Indien von einer sehr hohen Dunkelziffer bei der Zahl der Infizierten aus.

Da in Ranchi alle Krankenhäuser belegt sind, werden nur noch Covid-Patienten aufgenommen, deren Zustand kritisch ist. Für Patienten mit anderen Krankheiten ist kein Platz; Operationen werden verschoben. Tausende von Covid-Patienten müssen zu Hause bleiben und werden dort mit Sauerstoff versorgt – wenn denn genug vorhanden ist. Zwar haben die großen Stahlwerke, die in Jharkhand ansässig sind (wie Sail und Tata), zugesagt, Sauerstoff zu produzieren und zu liefern. Doch das reicht längst nicht aus: „Es ist ein Kampf um freie Betten und Sauerstoff entbrannt“, so Bodra. Das Gesundheitssystem in Indien gilt seit langem als völlig marode. „Mittlerweile bringen viele Leute ihre kranken Verwandten hinaus aufs Land, in der Hoffnung, dort einen Klinikplatz zu finden. Aber auch das ist oft vergeblich.“

Für die Betroffenen kommt hinzu, dass Medikamente nur schwer erhältlich sind. Vom Schmerzmittel bis zur Hustenlösung: Vieles wurde schon vor Wochen von den Wohlhabenderen aufgekauft und gehortet. Tausende andere aber gehen nun leer aus. Obwohl sie dringend Linderung für ihre Beschwerden bräuchten. 

Der Lockdown, der zunächst bis 6. Mai verlängert wurde, trägt zu weiterer Verzweiflung bei. Wie bereits vor einem Jahr zu Beginn der Pandemie steht die Stadt still. Tagelöhner, Rikschafahrer, Imbissstubenbesitzer: Sie alle sind ohne Einkommen – und ohne soziale Absicherung. „Wenn der Lockdown anhält, werden viele Menschen wieder auf Lebensmittelhilfe angewiesen sein.“
(Berlin, 3.05.2021)

Fotos:
- Leere Straßen in Ranchi. (Foto: Mukut Bodra)
- Überfüllte Krankenhäuser, belegte Intensivbetten: Die Corona-Lage in Indien ist außer Kontrolle. (Foto: iStock.com/Prabhat Kumar Verma)



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