Seite drucken · Suche · Kontakt · Newsletter · Sitemap · Impressum/Datenschutz

Gossner Kirche feiert 100 Jahre Unabhängigkeit

Gemeinsam mit der Gossner Mission an der Seite der Adivasi

Ihre 100-jährige Autonomie begeht in diesem Jahr die indische Gossner Kirche: Am 10. Juli 1919 beschloss die Synode in Ranchi ihre Selbstständigkeit. Damit ist die „Gossner Evangelisch-Lutherische Kirche in Chotanagpur und Assam“ die erste junge Kirche, die aus einem neuzeitlichen Missionsfeld hervorgegangen ist. Dies eröffnete ein neues Kapitel der Kirchengeschichte des 20. Jahrhunderts. Der Entscheidung vorausgegangen war zum einen ein neues Konzept der Gossner-Missionare, die sich für die Selbstständigkeit der Kirche einsetzten, sowie die Ausweisung der Missionare während des Ersten Weltkrieges.


Der 10. Juli 1919 kam nicht unvorbereitet. Die Gossner-Missionare – die ersten waren 1845 in der Region Chotanagpur im Nordosten Indien angekommen – hatten seit Jahrzehnten auf eine einheimische Kirche hin gearbeitet. Sie sahen sich an der Seite der hier lebenden Adivasi, der indigenen Bevölkerung, für deren Rechte sie sich einsetzten. Die Missionare hatten sich in Bildung und Gesundheitsversorgung engagiert, die Bibel in mehrere Adivasi-Sprachen übersetzt und erstmals eine Grammatik der Sprachen erarbeitet. Später entstanden Predigerseminare; einheimische Pastoren wurden ausgebildet.

Als dann die britischen Kolonialbehörden die Deutschen während des Krieges inhaftierten und später deportierten, zeigte es sich, dass die indischen Gemeinden alleine klar kamen. Die Adivasi-Pastoren wählen im März 1916 einen eigenen Vorstand. Die Gemeinden lehnten es ab, von anderer Seite „beaufsichtigt“ zu werden, wie die anglikanische Kirche es vorgeschlagen hatte, und betonten ihre Eigenständigkeit.

Im Juli 1919 traf sich die erste Synode der jungen Kirche. Am 10. Juli 1919 beschloss sie ein Dokument mit 85 Unterschriften: „... so erklären wir uns bereit, die sehr schwere Verantwortung der Selbstständigkeit auf uns zu nehmen“.  Dieser Beschluss ist die Geburtsurkunde der selbstständigen indischen Gossner Kirche.

Das Kuratorium der Gossner Mission in Berlin blieb bei all dem außen vor: Es war über die Vorgänge in Indien nicht informiert. Erst am 13.Oktober 1919 wurde ein Brief mit herzlichen Segenswünschen nach Indien abgesendet. 

Heute ist die Gossner Kirche mit rund 400.000 Mitgliedern die zweitgrößte lutherische Kirche Indiens. Ihre Mitglieder sind zu mehr als 90 Prozent Adivasi. Diese stehen außerhalb des hinduistischen Kastensystems und werden bis heute ausgegrenzt und unterdrückt. Ihre historischen Rechte an Land, Wald und anderen Ressourcen werden ihnen verweigert. Da ihre Heimat im indischen Bundesstaat Jharkhand reich an Bodenschätzen ist, werden sie immer wieder von ihrem eigenen Grund und Boden vertrieben. In der Gossner Kirche finden die Adivasi Heimat und Unterstützung.

Die Kirche engagiert sich in Bildungs-, Gesundheits- und Dorfentwicklungsprojekten. Zur Gossner Mission unterhält die Gossner Kirche bis heute eine enge Partnerschaft. Eine zehnköpfige Delegation, der kirchenleitende Personen mehrerer Landeskirchen angehören, wird im Oktober zu den Jubiläumsfeierlichkeiten der Gossner Kirche reisen.
(Berlin, 6.06.2019)
<< zurück